Die Natur ist ein perfekt aufeinander abgestimmtes Räderwerk. Sie produziert unter anderem Stoffe, die nützliche Besucher anlocken, unerwünschte hingegen abstoßen. Die Rede ist von Terpenen. 

Aber was sind Terpene (engl. Terpenes)? Sie sind natürlicher Bestandteil einer Vielzahl von Kräutern, Früchten und anderen Pflanzen. Dabei handelt es sich um chemische Verbindungen, die als biosynthetische zelluläre Botenstoffe wichtige Funktionen erfüllen.

Verständlich übersetzt: Terpene sind natürlich vorkommende organische Kohlenwasserstoffe, deren Aufgabe es ist, Fressfeinde abzuwehren und nützliche Insekten – wie etwa Bienen – anzulocken. Sie dienen in der Pflanzenwelt dazu, ihren Trägern den sortentypischen Geruch zu verleihen. Was die menschliche Nase oft als angenehm empfindet, schreckt Insekten und anderes Ungeziefer sowie große Tiere – wie etwa Hirsche und Rehe – vom Fressen ab. Im Grunde handelt es sich also gleichzeitig um einen Lock- und Abwehrmechanismus einer Pflanze.

Auch menschliche und tierische Drüsen produzieren Terpene, und zwar in Form von Pheromonen. In diesem Zusammenhang sind es Lockstoffe, die in Frage kommende Partner herausfiltern (nicht alle Menschen/Tiere können „sich riechen“).

Terpene in Pflanzen

Terpene finden sich in nahezu allen Pflanzen und Früchten wieder. In der Herstellung von Bio-Produkten dienen sie als Grundlage für eine Reihe von Aromen und Duftstoffen. Du magst Lavendel, Minze, Zitronen und andere Pflanzen mit ihren unverwechselbaren Düften? Es sind Terpene, denen du diese Odeurs zu verdanken hast.

Terpenen im Wald beispielsweise kommt unter anderem die Aufgabe zu, Hirsche und Rehe davon abzuhalten, an der Baumrinde zu nagen oder sich daran zu scheuern. Bäume sind in der Lage, sich mithilfe von Düften zu verständigen; so werden auch weiter entfernt stehende Artgenossen gewarnt. Die Tiere trollen sich und gehen anderweitig auf Nahrungssuche.

Wir beschränken uns an dieser Stelle auf dieTerpene einer Pflanze (Cannabis), damit du einen Eindruck bekommst, welche bemerkenswerten Aufgaben diese „langweiligen“ Kohlenwasserstoffe erfüllen. Das bedeutet aber nicht, dass sie ausschließlich in Cannabis vorkommen. Terpinen-4-ol beispielsweise ist der Hauptbestandteil des Teebaumöls. 

Terpene haben einen gesundheitlichen Nutzen

Im Hinblick auf Cannabis sind die folgenden Terpene zu nennen:

Die wichtigsten Terpene in Cannabis (Hanf)
Limonen Limonreiche Hanfsorten verfügen über ein Aroma, das an Zitrusfrüchte erinnert, wie etwa Limetten oder Orangen.

  • Nutzen für die Gesundheit:
  • Gewichtsverlust hemmen (z. B. bei Krankheit)
  • Krebsbekämpfung
  • Vermeidung von Bronchitis
  • als Beimischung in medizinischen Salben/Cremes zum besseren Durchdringen der Haut
  • Vorkommen in der Natur:
  • Zitrusfrüchte
  • Wacholder
  • Pfefferminz
  • Rosmarin
β-Caryophyllen

(Beta-Caryophyllen)

Als einziges im Zusammenspiel mit dem körpereigenen Endocannabinoid-System erzeugt dieses Terpen ein Aroma, das mit pfeffrig/würzig/holzig beschrieben werden kann.

  • Nutzen für die Gesundheit:
  • krebshemmend
  • entzündungshemmend
  • hilfreich bei chronischen Schmerzen
  • Schutz der Nieren vor Schädigung durch Chemotherapeutika (Nephrotoxizität)
  • Vorkommen in der Natur:
  • schwarzer Pfeffer
  • Thai-Basilikum
  • Zimt
Linalool Das Terpen Linalool kommt in fast 200 Arten vor. Es wirkt als Insektizid gegen Fruchtfliegen, Flöhe und Kakerlaken. In den USA ist es als Pestizid, Aromastoff und Duftstoff zugelassen.

  • Nutzen für die Gesundheit:
  • schlaffördernd
  • Vorstufe von Vitamin E (Zellschutzvitamin Tocopherol), welches freie Radikale abfängt
  • Reduzierung des Risikos an einer durch Alzheimer oder Rauchen ausgelösten Lungenentzündung
  • die beruhigende und entspannende Wirkung wird für die Behandlung von durch THC ausgelöste Psychosen und Angstzuständen genutzt
  • Natürliches Vorkommen:
  • Pilze
  • Minze
  • Zimt
  • Lavendel
  • zahlreiche Blüten
β-Myrzen

(Beta-Myrzen)

Moschus- oder nelkenartig bis erdig ist das Aroma, welches das Terpen β-Myrzen ausmacht. Es ist das häufigste unter allen Cannabis-Terpenen, welche die Pflanze produziert und nimmt nahezu die Hälfte des gesamten Terpenvolumens ein.

  • Nutzen für die Gesundheit:
  • entzündungshemmend
  • antimikrobiell
  • antioxidativ
  • entkrampfend
  • Natürliches Vorkommen:
  • Thymian
  • Hopfen
  • Zitronengras
  • Mango
  • Eukalyptus
Weniger bekannte in Cannabis auftretende Terpene
β-Elemene

(Beta-Elemene)

Ein mittelstarkes süßes Aroma ist typisch für dieses Terpen. Isoliert wird es aus einer Art Ingwer (Rhizoma zedoariae), ist aber recht flüchtig.

  • Nutzen für die Gesundheit:
  • Krebsbekämpfung aufgrund wachstumshemmender Eigenschaften (antiproliferativ)
α-Eudesmol

(Alpha-Eudesmol)

Typisch für das Terpen α-Eudesmol ist der süßlich holzige Geruch.

  • Nutzen für die Gesundheit:

Versuche an Ratten wiesen auf die Wirksamkeit bei Migräne hin.

Valencene Das sogenannte Sesquiterpen erhielt seinen Namen von der Valencia-Orange. Zu einem Orangenterpen wird es also durch seine zitrusartigen Aromen, die neben Apfelsinen auch an Pampelmusen, Mandarinen und zuweilen auch an frisch geschnittenes Holz oder frische Kräuter erinnern.

  • Nutzen für die Gesundheit:
  • entzündungshemmend
  • pilzhemmend
Sonstige Terpene
  • Terpinen-4-ol: wirkt vermutlich chemotherapeutisch, antiendzündlich, antibakteriell und gegen Pilzerkrankungen
  • Nerolidol-2-Terpene: wirkt vermutlich beruhigend sowie gegen Pilze, Parasiten und Mikroben

Terpene – und damit auch die Hanfpflanze – sind für die Menschen (und Tiere) von großem gesundheitlichem Nutzen und damit unverzichtbar. Ihr Spektrum deckt die Bekämpfung einer Vielzahl von Erkrankungen ab. Derzeit sind aus der Natur etwa 8.000 Terpene bekannt, die jedoch nicht alle in Hanf zu finden sind. Die wichtigsten Cannabis-Terpene haben wir aufgelistet.

Die Wirkung von Terpenen im Organismus

Die Wirkungsweise kann mit der Interaktion der Terpene mit zellulären und neuronalen Rezeptoren im Körper beschrieben werden – ähnlich wie Cannabinoide. Gleichzeitig sind sie in der Lage, den Gehalt an Neurotransmittern (Botenstoffen) zu beeinflussen.

Die Rezeptorenanbindung von Terpenen im menschlichen Gehirn verfügt über

  • einen steigernden Einfluss auf die Dopaminaktivitäten (Dopamin ist ein Glückshormon, welches für Motivation, Freude, Belohnung steht). 
  • einen bremsenden Einfluss auf den Serotoninabbbau (Serotonin ist ein weiteres Glückshormon mit dem Aufgabenbereich des Wohlfühl-Neurotransmitters).

Antidepressiva nicht unähnlich, bringen ganz besonders die in Cannabis vorkommenden Terpene eine Reihe gesundheitlicher Vorteile, wie du der obigen Tabelle entnehmen kannst. Allerdings verzichten sie in der Regel auf das Auslösen unerwünschter Nebenwirkungen, wie sie typisch für synthetische Serotonin-Wiederaufnahmehemmer oder trizyklische Antidepressiva sind.

Terpene besitzen ein breites Wirkungsspektrum und sind für die menschliche Gesundheit ein Muss. Ernährst du dich gesund, ausgewogen, abwechslungsreich und überwiegend pflanzenbasiert, nimmst du alles zu dir, was du zum Gesundbleiben benötigst. Auf diese Weise werden Krebszellen am Wachstum gehindert, Entzündungen eingedämmt, Depressionen/Ängste bekämpft, virale und bakterielle Infektionen am Entstehen gehindert oder schneller überstanden. Kurz gesagt: Terpene sind die Stoffe, die unsere Gesundheit erhalten oder bei Krankheit wiederherstellen helfen.

Terpene in Cannabis und die Forschung

Im Jahr 2011 veröffentlichte der Neurologe und Wissenschaftler Ethan Russo ein Dokument, welches das Zusammenwirken von Terpenen und Cannabinoiden sowie ihre gesundheitlichen Auswirkungen im körpereigenen Endocannabinoid-System. Damit wurde auch wiederlegt, dass es sich bei THC um die einzig wirksame Komponente in Cannabis handelt. Die vorgestellten Ergebnisse besagen, dass auch andere Verbindungen, wie Terpene und Cannabidiol körperinterne Effekte verstärken oder auch verringern können.

Vier Jahre später definierte eine klinische Studie der Universität Tokio die zahlreichen möglichen Synergieeffekte von Terpenen im Zusammenhang mit der Behandlung von körperlichen und seelischen Beschwerden.

Terpene kaufen – geht das?

Die Google-Suche im Hinblick auf den Kauf von Terpenen bringt positive Ergebnisse. Die synthetisch hergestellte Variante erweist sich als günstig, aber unwirksam. Bio-Produkte hingegen basieren in der Tat auf natürlichen Bestandteilen, sind aber wesentlich teurer. Ob diese aber in vollem Umfangwirksam sind, ist unklar. Schließlich agiert die Natur ganzheitlich, was bedeutet, dass die Bestandteile der gesamten Pflanze wichtig sind – vor allem aber ihr perfektes Zusammenspiel. Dennoch handelt es sich um einen neuen Trend, der sich zunehmender Beliebtheit erfreut. 

Sind Terpene gesundheitsschädlich? Sicher nicht, doch die Forschung steckt noch in den Kinderschuhen. Deshalb steht noch nicht eindeutig fest, welche Auswirkung (vor allem über einen langen Zeitraum) isolierte Terpene auf den menschlichen Organismus haben. 

Fazit

Fakt ist, dass die Cannabis-Pflanze mit ihrem umfangreichen Spektrum an Terpenen, die ja eigentlich Fressfeinde abschrecken sollen, ein für Mensch und Tier heilbringendes Gewächs ist. Zu Unrecht wurde sie bisher auf die psychoaktive THC-Wirkung reduziert, welche in der Vergangenheit verantwortlich für den schlechten Ruf von Hanf war. Heute sorgen eher die Terpene für Furore, da sie aktiv gesundheitliche Störungen und Krankheiten bekämpfen.